Verfolgungsjagd

Beide Huntis rennen für ihr Leben gern. Noch lieber mögen sie es allerdings, wenn sie dabei gejagt werden. Als Joshi klein war, konnte man ihm Bällchen oder Stöckchen werfen und er hat sie brav zurück gebracht. Aber irgendwann müssen wir den folgenschweren Fehler begangen haben, hinter ihm herzurennen. Und schon war´s aus mit dem Apportieren! Was soll´s, andere Leute gehen joggen...

Aber das mit dem Stöckchen wendet Joshi jetzt auch bei Cognac an. Schon ein winziger Zweig reicht, um ihn zu einer wilden Jagd zu überreden. Zu Beginn lief Joshi mit dem Miniast einfach ums Trampolin und Cognac ihm hinterher. Aber es dauerte nur wenige Runden, bis der kapiert hatte, was ein Kreis ist: Er blieb einfach stehen und wartete bis Joshi wieder vorbei kam und zack: wechselte das Stöckchen seinen Besitzer. 

Aber Joshi hat auch dazugelernt und so wartet Cognac manchmal für einige Augenblicke doch vergebens:

Hin und wieder liegen sich unsere beiden Huntis im Abstand von zwei, drei Metern gegenüber und gucken sich in die Augen. Keiner von beiden bewegt sich auch nur einen Millimeter oder zuckt mit der Wimper. Spiel mir das Lied vom Tod ist ein Witz dagegen... Und dann urplötzlich - ich würde ein Hemd von Otto dafür hergeben, wenn ich erführe, was es auslöst – startet eine wilde Hetzjagd durch den Garten. Wahrscheinlich hat Cognac nur mal kurz geblinzelt, damit Joshi wie von der Tarantel gestochen hinter ihm hersprintet. Dabei ist Joshi zwar einen Tick schneller, aber unsere Gartenarchitektur bietet dem superschnellen und zudem äußerst wendigen, kleinen Stöpsel alle Möglichkeiten, dem Großen zu entwischen. Beete, Fischteich, Trampolin, Strandinsel, Regenrückhaltebecken: alles wird umrundet oder wo´s geht überrast. 

In einem Irrsinnstempo geht es über Rasen, Sand, Büsche und Steine, so schnell, dass Cognac oft über seine eigenen Beinchen purzelt und sich mehrfach überschlägt. Auch Rutschpartien über das Schnäuzchen reduzieren von Zeit zu Zeit sein Tempo. Aber nur für zwei Sekündchen, dann geht´s weiter wie zuvor.

 

Solcherlei Jagden finden auch im Wohnzimmer statt, aber „Ausrutscher“ wie diese gehören schon lange der Vergangenheit an. 

Heute werden keine lästigen Umwege mehr über die kleine Stufe genommen, sondern direkt und mit Leichtigkeit über die Sofalehne gejumpt!

Und auch in der freien Wildbahn ist dem Kleinen kein Gelände zu schwierig, kein Grasbüschel zu hoch. Es fehlt nicht mehr viel und Joshi läuft ihm das letzte Mal davon... 

Und wenn Cognac sich dann hinterher in die Kissen fläzt und träumt, gehen die Verfolgungsjagden weiter. Dann strampeln die Beinchen und er strahlt vor Glück über beide Backen. 

Ätsch, ich bin kleiner als du!

Wer glaubt, Kleinsein hätte nur Nachteile, hat Cognac noch nicht in Aktion gesehen. Immer neue Schlupflöcher macht er ausfindig, durch die Joshi ihm nicht folgen kann. Überlebensnotwendige Schlupflöcher, denn der kleine Fratz wird von Tag zu Tag frecher und hat Joshi als Proband für das Üben der Beißhemmung auserkoren. Nur dass von Hemmung noch rein gar nichts zu merken ist, im Gegenteil: Joshi bekommt täglich viele Male die kleinen spitzen Zähnchen an Pfoten, Lefzen und wer weiß wo sonst noch zu spüren. Meist zeigt Joshi dem Kleinen dann auch, was er so an Beißerchen zu bieten hat. Er begleitet dies mit Geräuschen, die absolut nicht zu beschreiben sind und die sich für uns Menschen wirklich nicht nach Liebesbekundungen anhören. Wir mögen oft gar nicht hingucken, aber unser kleiner Haumichdrauf lässt sich von den Erziehungsmethoden seines großen Bruders wenig beeindrucken: 

Nur manchmal wird´s dem Großen doch zu lästig und dann heißt es für den kleinen Frechdachs Reißaus nehmen und nix wie weg! Wie ein kleines Wiesel flitzt er unter Stühle, durch enge Spalten zwischen Sofa und Sessel und feixt sich eins, weil Joshi nicht hinterher kann, um im nächsten Moment gleich wieder eine neue Attacke zu starten. Da solcherlei Spielchen auch im Garten stattfinden, trägt Cognac eine besondere Duftnote in seinem Lockenschopf: Thuja, denn auch diese Hecke bietet ihm Deckung, wenn er mal wieder dringend flüchten muss.

Laut Wissenschaft gehört ja der sogenannte „Welpenschutz“ in das Reich der Mythen und Sagen, aber das nächste Photo zeigt, wer auch heute noch voll darauf vertraut: 

Reg´dich ab, Großer. Ich hab Welpenschutz!
Reg´dich ab, Großer. Ich hab Welpenschutz!